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Craniomandibuläre Dysfunktion - CMD - Kiefergelenkschmerzen

Einführung in die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Immer mehr Menschen leiden heutzutage unter Kopf-, Gesichts- und Nackenschmerzen. Deren Ursachen sind sehr oft in funktionellen Störungen des Zusammenspiels der Zähne, der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur sowie von Halswirbelsäule und Kopfgelenk zu suchen. Schon wenn einzelne Zähne beim Zubeißen zu früh Kontakt miteinander haben, kann dies zur Verschiebung von Halswirbeln führen, d.h. die Zähne sind über das Kiefergelenk verantwortlich für Schmerzen und Verschiebungen in der Wirbelsäule.
Kauapparat und Halswirbelsäule bilden eine funktionelle Einheit, jede Veränderung im Kauapparat beeinflusst reflektorisch sofort die Halswirbelsäule. Dass dies auch unmittelbar Konsequenzen für andere Körperregionen hat, wird verständlich, wenn man bedenkt, dass von der Halswirbelsäule Nerven in verschiedene Bereiche des Organismus ziehen. So gehen z.B. von den oberen beiden Halswirbeln (C1/C2) Nerven ab, die bevorzugt einen Teil des Zwischenhirns (Thalamus), das Herz-Lungen-System, Teile des Verdauungstraktes sowie das Urogenitalsystem mitversorgen.

Beschwerden bei Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) oder Temporomandibuläre Dysfunktion (TMD)

1934 umschrieb der HNO-Arzt Costen als Erster ein Krankheitsbild mit folgenden Symptomen: Beschwerden der Ohren und Nasennebenhöhlen, eventuell als Folge eines Druckes auf bestimmte Nerven und auf die Ohrtrompete (Verbindung zwischen Mittelohr und oberem Rachenraum, sog. Eustachische Röhre). Als begleitende Symptome werden genannt: Ohrensausen, Taubheit, Schwindel und Schmerz in bestimmten Regionen des Kopfes sowie Knacken des Kiefergelenks, Schmerzen im Gesicht und beim Bewegen des Unterkiefers.
Heute werden unter dem Krankheitsbild „Craniomandibuläre Dysfunktion“ (CMD) oder „Temporomandibuläre Dysfunktion“ (TMD) alle schmerzhaften und nicht schmerzhaften Beschwerden zusammengefasst, die auf strukturelle, funktionelle, biochemische und psychische Fehlregulationen der Muskel- und/oder Kiefergelenksfunktion zurückzuführen sind.

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) / Temporomandibuläre Dysfunktion (TMD) nach Kehr (2005)

Lokalisation Art der Beschwerden
Mundraum Kaumuskelschmerzen, Kiefergelenkschmerzen, Kiefergelenkgeräusche, Zahnschmerzen, überempfindliche, lockere oder wandernde Zähne, Karies und Parodontose; Reizungen wie z.B. Einbisse an und in Weichgeweben, wie Zunge, Wangenschleimhaut und Lippen
Ohren z.B. Tinnitus und Schwindel
Augen z.B. Sehstörungen
Hals z.B. Schluckbeschwerden, Stimmveränderungen
Arme/Finger Taubheitsgefühl
andere Körperbereiche Schmerzen an Gesicht, Nacken, Hals, Schulter, Rücken und Gelenken
psychosozial beruflicher und familiärer Stress, Gereiztheit, Unruhe, Stimmungsschwankungen, Unentschlossenheit sowie häufig anzutreffende Schlaflosigkeit und depressive Verstimmung

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) / Temporomandibuläre Dysfunktion (TMD) aus regulationsmedizinischer Sicht

In der Sichtweise der modernen Quantenmedizin ist der Mensch als ein biologisch kybernetisch funktionierendes System zu verstehen, das über Regelkreise und Rückkopplungsmechanismen gesteuert wird. Diese Regelkreise hängen untereinander zusammen und beeinflussen sich gegenseitig: Wenn man einen dieser Regelkreise verändert, müssen sich alle neu anpassen und neu justieren.
Können die aufkommenden Probleme toleriert werden, so spricht dies sicherlich für ein gutes Regulationsvermögen des Organismus. Gravierende Störungen treten aber zwangsläufig bei nur noch eingeschränkter Grundregulation auf.
In diesem Zusammenhang ist das Ergebnis einer sehr umfassenden Studie (Gesch et al., 2005) interessant, die der Frage nachging, ob ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Zahnfehlstellungen und einer Störung der Kiefergelenksfunktion nachweisbar ist. Die repräsentative Studie, die medizinische und zahnmedizinische Fragestellungen verknüpfte, konnte zeigen, dass Menschen mit Zahnfehlstellungen kein erhöhtes Risiko haben, auch Kiefer- und Gesichtsschmerzen zu bekommen.
Anders verhielt es sich mit den Merkmalen Schulbildung und Geschlecht. Hier ließ sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen diesen Faktoren und dem Auftreten von Kiefergelenksymptomen beobachten: Gut Ausgebildete leiden doppelt so häufig und Frauen 1,5-mal häufiger an Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) / Temporomandibuläre Dysfunktion (TMD) als die übrige Bevölkerung.
Ganz offensichtlich sind auch andere Ursachen als Zahnfehlstellungen an der Entstehung von Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) / Temporomandibuläre Dysfunktion (TMD) beteiligt. Welche Ursachen das sind, kann allerdings den bisherigen Auswertungen nicht entnommen werden; hier besteht weiterer Forschungsbedarf.
Offenbar gilt auch im Zusammenhang mit der Entstehung der Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) / Temporomandibuläre Dysfunktion (TMD) die Erkenntnis Heines, dass Krankheit nur auf dem Boden einer gestörten Regulation heranwachsen kann (Heine, 1997). Die Wiederherstellung einer intakten Grundregulation sollte daher integraler Bestandteil jeder CMD / TMD-Therapie sein. (Wechselwirkungen in der Parodontitis, Implantologie und ganzheitlichen Zahnmedizin von P.-H. Volkmann)
Die Akupunkturlehre geht davon aus, dass der Körper von einem Netzwerk energetischer Strukturen, den Meridianen, durchzogen wird. Kiefer und Nacken sind energetisch besonders dicht bepackt: So sind die Umgebung der Zähne, die Kaumuskulatur, der Kiefer und die kurze Nackenmuskulatur erheblich umfangreicher mit entsprechenden Rezeptoren ausgestattet, als der übrige Organismus, abgesehen von Händen und Füßen.
Ausgehend von dieser energetischen Betrachtungsweise kann es bei Zahnfehlstellungen oder infolge einer nicht sach- und funktionsgerechten Behandlung der Zähne durch Füllungen, Kronen, Brücken und Prothesen zu massiven Störungen aller Regelkreise kommen, die sich in der Folge des Ablaufes schrittweise aufbauen.

Die Feinsteuerung des Kiefergelenks – eine Hochleistung

Das Kiefergelenk ist in seinen Bewegungen vielfältig mit der gesamten Körpermuskulatur verflochten. Es kann daher auch Auslöser für eine Vielzahl von Beschwerden sein. Dies gilt für Kopfschmerzen, Schmerzen im Bereich der gesamten Wirbelsäule, ja sogar ein schief stehendes Becken oder eine Beinlängendifferenz können durch eine Kiefergelenksstörung (Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) / Temporomandibuläre Dysfunktion (TMD)) begründet sein.
Wir sind uns gar nicht bewusst, dass Kauen und Schlucken ziemlich komplizierte Vorgänge sind, die oft gar nicht ohne Stress ablaufen. Aber eines ist sicher: Aus regulationsmedizinischer Sicht fördert ein gesundes Kauorgan die Gesundheit des gesamten Organismus.
Zur Kontrolle der Bewegungsabläufe im Kiefergelenk hat sich im Verlaufe der Evolution ein hochkompliziertes, aber äußerst wirkungsvolles System herausgebildet, mit dem die Spezies Mensch ihre Überlebenschance sichern konnte.
Dies wird schon deutlich, wenn wir einen Blick in das menschliche Nervensystem werfen: 35-40 % aller Nerven im Körper versorgen Kopf und Gesicht.
Als wichtigstes und vorrangigstes Ziel hat sich im Laufe von Jahrmillionen bestätigt, dass der Mensch jederzeit innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde in einer für die Stellung der Zähne optimalen Bissposition den Unterkiefer an den Oberkiefer anschlagen kann. Damit diese auf den ersten Blick wenig spektakuläre Funktion im Kauorgan sichergestellt ist, muss eine gigantische Datenmenge erfasst und verarbeitet werden.
Einige Zusammenhänge möchten wir an dieser Stelle herausstellen:
Unser Kauorgan hat bei der Durchführung von Kaubewegungen keine große Führung durch irgendwelche Bandstrukturen oder durch Gelenkformen. Während das Kausystem ein Hochleistungsapparat ist, mit dem wir in der Lage sind, mit höchster Präzision zu arbeiten, ist das Kiefergelenk an sich eines der freiesten Gelenke überhaupt. Es gibt praktisch keine nennenswerte knöcherne Steuerung vor. Dieses Gelenk unterscheidet sich damit grundlegend von anderen Gelenken unseres Körpers. Denken wir z.B. einmal daran, wie eingeschränkt die Bewegungsabläufe in unseren Fingergelenken sind, mit denen Musiker und Künstler großartig umzugehen wissen, wenn sie ausreichend Zeit zum Erlernen und Üben aufwenden.
Unser Kauorgan kann von seiner Mechanik her als ein drehbar gelagertes Hebelsystem verstanden werden. Durch das Zusammenspiel unserer Kaumuskeln kann auf diesem Hebel jederzeit an beliebiger Stelle kontrolliert und reproduzierbar eine beliebige Kaukraft platziert werden. Ermöglicht wird das durch eine exakte Steuerung der Kaumuskulatur, der Mundbodenmuskulatur, aber auch der Nackenmuskulatur und der am Zungenbein ansetzenden Muskeln, die von hier zu Schulter und Brustbein führen.
Der Unterkiefer hängt also freibeweglich in einer kraftvollen Muskelschaukel unter der Schädelbasis und kann in alle Richtungen bewegt werden.
Unser Kauorgan verfügt somit im Unterkiefer über einen vollkommen freibeweglichen Hebel, der jederzeit da angesetzt werden kann, „wo eine Nuss zu knacken ist“.
Die Steuerung dieser Unterkieferhebelbewegungen ist allerdings sehr kompliziert. Große Anteile unseres Gehirns sind ständig damit beschäftigt, Unterkieferbewegungen vorzubereiten und durchzuführen. Informationen müssen fließen und verarbeitet werden, um die ständige Kontrolle über die momentane Stellung des Kauapparates, über die Stellung der Zähne und über den gesamten Kauvorgang sicherzustellen.
Gesammelt werden die Informationen über Lage und Stellung des Unterkiefers sowie die Kraft der Muskulatur über ein gigantisches Netz von feinen reizaufnehmenden Zellen, die sich direkt in den Muskeln befinden, aber auch in der Haut des Gesichtes, den Schleimhäuten, dem Innenohr mit seinem Gleichgewichtsorgan, der Netzhaut des Auges und ganz besonders auch in der Wurzelhaut unserer Zähne, die diese im Kieferknochen verankert.
Hier wird überall über die Stellung der Kiefergelenke informiert, damit die Muskulatur optimal gesteuert werden kann.

Neurophysiologische Grundlagen

Steuerungselemente der Muskulatur sind die Muskelspindeln. Sie registrieren den Dehnungszustand von Muskeln und leiten die Information über verschiedene Nerven bis zum Gehirn weiter. Die Zahl dieser sensiblen Rezeptoren ist in der Kaumuskeln und der tiefen Nackenmuskulatur fünfmal so hoch wie in anderen Muskeln. Dadurch können in dort Bewegungen außerordentlich fein gesteuert werden.
Die Muskelspindeln der Kaumuskeln sind über feinste Nervenbahnen mit dem Trigeminusnerv (Nervus trigeminus) verbunden, der für die Sensibilität im Bereich des Gesichtes und die Aktivierung der Kaumuskulatur zuständig ist. Teile des Trigeminusnervs reichen bis in zu den obersten Halswirbeln (C1/C2). Von dort ziehen seine Entstehungsgebiete (sog. Kernregion) hoch zum Mittelhirn und sind hier mit allen Reflexzentren verbunden.
Bei dauerhaft asymmetrischer Anspannung werden Muskelfasern auf andere Weise als bei ihrem normalen Gebrauch aktiviert. Im Kiefergelenkbereich geschieht dies durch einen ungleichen Zug auf Unterkiefer (Mandibula) und Schädel oder durch Verschiebung des Unterkiefers.
Tatsächlich erhöht sich die Empfindlichkeit eines Muskels um das sechsfache, wenn er sich verkürzt oder verlängert. Das hat entscheidende Folgen:
Durch die erhöhte Empfindlichkeit der Muskelspindeln werden Teile des Trigeminusnervs übererregt, was wiederum das zentrale Steuerungssystem zur Koordinierung der Körperfunktionen (Formatio reticularis) beeinflusst: Hier werden die Hirnnerven untereinander und die Hirnnerven mit den aus dem Rückenmark entspringenden Nerven (Spinalnerven) verknüpft und damit lebenswichtige, reflektorische Kombinationsbewegungen ermöglicht, wie sie z.B. für die Atmung und die Kreislaufregulation notwendig sind.
Die verstärkte Erregung sensibler Anteile des Trigeminusnerven beeinflusst aber auch im Sinne eines positiven Regelkreises seine motorischen Anteile: Das Ergebnis ist eine Verstärkung der Verspannung.
Wenn schließlich durch ungleiche Muskelzüge zwischen Unterkiefer und Schädel der Kopf in eine Schieflage gerät und dadurch die Lage der Linie zwischen den beiden Pupillen (Bipupillarebene) in der Horizontalen verändert wird, ist das Gleichgewichtsorgan betroffen und das Kopfgelenk, das von den beiden obersten Halswirbeln (C1/C2) sowie Teilen der Schädelbasis gebildet wird, muss ausgleichen, um den Kopf wieder gerade zu stellen: Der Rückenmarkkanal wird zusammengedrückt, was wiederum die sensiblen Anteile des Trigeminusnervs beeinflusst. Zudem werden die Wirbelarterien zusammengedrückt, die sich zur Basalarterie vereinigen und so Teile des Gehirns versorgen. Durch das Zusammendrücken der Wirbelarterien werden das verlängerte Mark, das Kleinhirn und das Innenohr schlechter versorgt. Spätestens jetzt ist der Teufelskreis geschlossen.

Interdisziplinäre Behandlung von Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) / Temporomandibuläre Dysfunktion (TMD)

Der menschliche Organismus ist sehr anpassungsfähig und kann Störungen oft über eine lange Zeit bis zu einem gewissen Punkt kompensieren. Geht man jedoch über diesen Punkt hinaus, z.B. durch zusätzliche Änderungen im Kauapparat, bricht das System zusammen und der Betroffene wird krank.
Damit verbunden ist für den Patienten jedoch meist eine Odyssee durch zahnärztliche und ärztliche Praxen: Häufig werden diese komplizierten ursächlichen Zusammenhänge nicht oder nur spät erkannt und dem Betroffenen erst nach längerem Leidensweg Hilfe zuteil.
Daher erscheint es als große Herausforderung, interdisziplinäre Diagnostik- und Therapieansätze weiter zu entwickeln, um schon frühzeitig vor allem den Patienten mit chronischen Schmerzen Behandlungsmöglichkeiten zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit sowie einer guten Lebensqualität anbieten zu können (Türp, 2002; zit. n. Kehr, 2005).
Die Orthomolekulare Medizin kann die Therapie sinnvoll unterstützen, weil durch die Veränderung der Konzentration von Substanzen, die natürlicherweise im Stoffwechsel vorhanden und die zum Erhalt von Gesundheit zwingend erforderlich sind (Pauling, 1968), das Wiedererlangen von nachhaltiger Gesundheit wirksam gefördert werden kann.
Über den Einsatz der Orthomolekularen Medizin im zahnärztlichen Bereich gibt es wenige Berichte in der Literatur.

Hier eine kurze Übersicht:

Eingesetzte Orthomolekularia eingesetzt bei bzw. Wirkung auf Literatur
Magnesium CMD Nebe (1997)
Magnesium CMD Umstadt et al. (2004)
Magnesium, Kalium, Vitamin B6, Mangan; Basensalz Beruhigung übermäßiger Muskelspannung (Hypertonizität) Dettlaff (2000)
Magnesium Nerven, Muskeln Kobau (1999)
Folsäure Kaumuskulatur Kobau (1999)
Calcium Zähneknirschen Pflugbeil/Niestroj (1994), zit. n. Kehr, 2005

In der gesamten allgemeinmedizinischen Literatur sowie in den Informationen von Pharmaherstellern werden die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), Erkrankungen des Kiefergelenkes und der Muskulatur rund ums Kauen oder Zähneknirschen als direkte Anwendungsgebiete für eine Vitamin- oder Mineralstoffmangeltherapie nicht genannt (Kehr, 2005).

Bestimmung der Kieferrelation

Bei Patienten mit Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) / Temporomandibuläre Dysfunktion (TMD) wird zunächst die Bissposition untersucht. Dabei wird die Zuordnung des (beweglichen) Unterkiefers zum (im Schädel verankerten) Oberkiefer (sog. Kieferrelation) in allen räumlichen Ebenen festgestellt. Für diese Kieferrelationsbestimmung gibt es mehr als eine allgemein akzeptierte Methode. Zur Therapie der Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) / Temporomandibuläre Dysfunktion (TMD) werden unterschiedliche Verfahren und Systeme angewendet, um Patienten eine ideale zentrische Bissposition zu geben. Die verschiedenen Techniken stehen mehr oder weniger gleichwertig nebeneinander.
Um die für den Patienten richtige Zentrik dauerhaft einzustellen, bedarf es großer behandlerischer Erfahrung.

Myozentrik

In unserem Praxiszentrum wird die Myozentrik nach Jankelson eingesetzt, um die Kieferrelation zu bestimmen und zu korrigieren. Vorteil dieses Verfahrens ist, dass der Unterkiefer ohne Manipulation durch den Zahnarzt in eine individuell bestimmte und muskulär entspannte Position gebracht werden kann.
Dabei wird die sog. Myozentrikschiene eingesetzt. Durch sie führen wir den Unterkiefer langsam in eine myozentrische, d.h. für die Muskulatur ideale, Position zurück und erreichen damit in Kombination mit begleitender manueller und orthomolekularer Therapie oftmals eine Auflösung von bestehenden Blockaden und damit spürbare und dauerhafte Erleichterung des bestehenden Beschwerdebildes. Wir fördern auf diesem Wege nachhaltig die Gesundheit des gesamten Organismus.
Da das Muskelspiel bei CMD-Patienten meist gestört ist, ist oft eine Vorbehandlung notwendig, um den Patienten erfolgreich mit der Myozentrikschiene behandeln zu können. Falls notwendig werden daher in die vorbereitende Therapie auch manuelle Therapeuten, Physiotherapeuten, Osteopathen etc. mit eingebunden (Schöttl, 2004).
Unmittelbar vor der Bissnahme in der Zahnarztpraxis werden die Kaumuskeln entspannt und deprogrammiert, d.h. dass die durch die Stellung der Zähne zueinander vorgegebene Steuerung der Muskulatur kurzfristig ausgeschaltet wird.
Durch die Bestimmung der Kieferrelation mit der Myozentrik wird sichergestellt, dass vorher verborgen gebliebene orthopädische und neuromuskuläre Stellungsfehler des Unterkiefers zutage treten, deren Korrektur Auswirkungen auf die gesamte Körperstatik und -dynamik haben kann.
Eine für den Unterkiefer angefertigte Schiene (z.B. nach dem New Yorker Professor Howard Gelb), eine sog. Repositionierungsschiene, führt den Unterkiefer langsam in die Myozentrik.
Die seitlichen Aufbisse im Bereich der Backenzähne sind durch einen Unterzungenbügel miteinander verbunden. Auf beiden Aufbissflächen wird ein Einbissrelief für die Zahnflächen des Gegenkiefers geschaffen, das den Unterkiefer in die angestrebte Position zurückführt und dauerhaft stabilisiert. Insofern sind derartige Schienen keine Entspannungsschienen, sondern als „Muskeltrainingsinstrumente“ anzusehen. Solche Schienen sind beim Tragen nicht sichtbar und hindern nicht beim Sprechen.

Zähneknirschen & Schienentherapie

Wir lernen bei unserer körperlichen Entwicklung vom Kind bis zum Erwachsenen und darüber hinaus ohne Unterlass, wie die Stellung der Zähne im Kiefer ist. Zähneknirschen beim Zahnwechsel zwischen Milchgebiss und bleibendem Gebiss ist daher ein notweniger „Lernprozess“, der keine krankhafte Bedeutung hat. Ganz im Gegenteil: Es muss in den Steuerzentralen des Gehirns eine neue dreidimensionale Vorstellung von dem in dieser Lebensphase sich entwickelnden Kauapparat geschaffen werden. Aber das Lernen hört bekanntlich nie auf: Auch danach wird permanent kontrolliert und gelernt, wie sich der Kauapparat verhält.
Ein ständiges leichtes Abtasten der Zähne ist also völlig normal. Erst das zerstörerische Zähneknirschen wird krankhaft.
Nun hat die Natur ein Kiefergelenk entwickelt, mit dem wir sehr große Kräfte auf relativ kleinen Zahnoberflächen platzieren können – immerhin sind unsere Kaumuskeln die stärksten Einzelmuskel des gesamten Körpers. Damit unsere Zähne hierbei keinen Schaden erleiden, führen wir den Unterkiefer exakt in die für die Zähne bestmögliche Position zum Oberkiefer hinauf.
Aber Kräfte verschwinden nicht, sie lösen sich nicht einfach ins Nichts auf. Kräfte werden um- und übergeleitet.
Prüfen Sie doch einmal selbst: Wenn wir kräftig zubeißen, wird immer irgendwo die Nackenmuskulatur mit angespannt. Legen Sie einfach einmal die Fingerkuppen einer Hand an Ihren Hinterkopf und spüren Sie die Bewegung Ihrer kleinen Nackenmuskeln beim Kauen.
Unsere Nackenmuskeln sind immer aktiv, wenn wir kauen: Sie übernehmen die beim Kauen erzeugte Kraft und übertragen diese Kraft auf die Halswirbelsäule. Schulter, Arme Brustwand, Rücken ja sogar das System der Hirnhäute wird benutzt, um die gewaltigen Kräfte, die beim Kauen entstehen, gleichmäßig über den gesamten Körper zu verteilen und zwar aufsteigend in den Schädel hinein und absteigend bis ins Sprunggelenk des rechten und linken Fußes.
Die Kaukräfte werden erzeugt, aber dann verschwinden sie nicht einfach. Sie werden vielmehr umgeleitet und über ein System von untereinander verbundenen Muskeln, Sehnen und Häuten über den gesamten Körper verteilt.
Und jetzt denken wir einmal daran, dass diese Kräfte nicht nur beim Zerkleinern der Nahrung entstehen, sondern auch beim Knirschen und Pressen der Zähne unter Stress und Anstrengung oder des Nachts völlig unkontrolliert im Tiefschlaf.
Und stellen wir uns jetzt noch vor, dass diese Kräfte nicht seitengleich und symmetrisch entstehen, denn, wir erinnern uns: der Unterkiefer wird freibeweglich unter den Oberkiefer gepresst, so dass der Biss für die Zähne stimmt. Das kann aber wiederum eine ganz erhebliche Kraftungleichheit in der beteiligten Muskulatur und damit erhebliche Verspannungen im gesamten Körper zur Folge haben.
Das daraus sich möglicherweise entwickelnde Krankheitsbild wird als Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) oder TMD bezeichnet: eine Fehlfunktion der Bewegungen zwischen Unterkiefer und Schädelbasis, verspannte Muskulatur, verspannte Wirbelsäule, verspannte Hirnhäute mit einer Vielzahl von möglichen Krankheitszeichen.
Mit der Therapie durch eine Aufbissschiene kann unter Umständen wirksam geholfen werden.
Nicht immer reichen jedoch einfache Knirscherschienen aus, um erfolgreich Abhilfe zu schaffen. Hier kann die Myozentrik oft erfolgreich die chronisch verspannte Muskulatur lockern.

Craniomandibuläre Dysfunktion - Zusammenfassung

Patienten mit funktionellen Muskel- und Gelenkschmerzen müssen von Zahnärzten in Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten betreut werden, wenn ihre Schmerzen und Beschwerden mit Funktionsstörungen im Kausystem in Zusammenhang stehen.
In der Diagnostik und Therapie dieser Schmerzen und Beschwerden muss der Zahnarzt im Kopf-Unterkieferbereich und im Bereich des Kiefergelenks nach Funktionsstörungen suchen, diese therapieren und Therapieergebnisse sichern, indem er durch eine Aufbissschiene beim Kauen, Schlucken, Knirschen und Pressen die regelrechte Funktion des Kauapparates stabilisiert.
Da der menschliche Organismus als ein sich selbst organisierendes und regulierendes kybernetisches Netzwerk vieler Subsysteme zu verstehen ist, sollten auch komplementäre Methoden, welche die Selbstregulation des Körpers unterstützen, angewendet werden. Offenbar kommt nämlich nicht nur Zahnfehlstellungen, sondern auch psychoreaktiven Faktoren, Stress und allgemein eingeschränkter Grundregulation in der Verursachung und Entwicklung der Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) / Temporomandibuläre Dysfunktion (TMD) eine Schlüsselfunktion zu.
Die Orthomolekulare Medizin kann eine integrative CMD / TMD-Therapie sinnvoll erweitern, denn sie ist in der Lage, einen ursächlichen Ausgleich von Meridianstörungen und eine Optimierung von Organfunktionen sicherzustellen, so dass es durch diesen breiten Ansatz zu einer Verbesserung des Regulationsverhaltens auf allen Ebenen des Organismus kommen kann.

Craniomandibuläre Dysfunktion

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