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Gingivitis - Gesundes Zahnfleisch blutet nicht

Gesundes Zahnfleisch blutet nicht

Die Entzündung des Zahnfleisches, die Gingivitis, wird durch Stoffwechselprodukte von Bakterien (Biofilm) ausgelöst, die den Zahnfleischsaum besiedeln.

Wichtigstes Anzeichen sind Schwellung und Bluten des Zahnfleischs.

Damit die Entzündung ausheilen kann, müssen die bakteriellen Beläge vor allem am Zahnfleischsaum möglichst vollständig beseitigt werden. Das ist durch die häusliche Zahnpflege alleine auf Dauer nicht zu erreichen.

Was ist Gingivitis?

Mit dem Begriff "Gingivitis" bezeichnet man in der Zahn- Mund- und Kieferheilkunde eine akute oder chronische Entzündung  der Gingiva. Die Gingiva ist der verhornte und damit besonders strapazierfähige Anteil der Mundschleimhaut, der unmittelbar auf dem Kieferknochen befestigt ist und auch manschettenartig die einzelnen Zähne umschließt.

Wir verstehen unter Gingivitis nicht eine eigenständige Erkrankung, sondern sehen die Gingivitis vielmehr als typisches Symptom einer Vielzahl von Erkrankungen. Das bedeutet mit anderen Worten, dass durchaus unterschiedliche krankhafte Prozesse durch eine Gingivitis erkennbar werden können.

Auslöser von Gingivitis

Die Gingivitis ist die häufigste aller Erkrankungen des Zahnhalteapparates. Wir wissen seit einigen Jahrzehnten mit Sicherheit, dass die Gingivitis ausgelöst wird durch eine Infektion bakterieller Beläge auf den Zahnoberflächen. Diese Beläge wurden früher als Plaque bezeichnet und auch heute wird dieser Begriff  noch immer verwendet obwohl man wissenschaftlich korrekt längst von Biofilmen spricht. Die weitaus überwiegende Zahl an Mikroorganismen lebt in der Natur in Form solcher Biofilme.

In der Mundhöhle ist das nicht anders.  Biofilme bestehen immer aus einer Schleimschicht, dem sogenannte Film. In diese wasserhaltige, schleimartige Matrix sind die verschiedensten Mikroorganismen eingebettet und führen dort ein gemeinsames Eigenleben. Der Biofilm bietet den darin lebenden Bakterien einen ausgezeichneten Schutz und ermöglicht es ihnen, sich auf veränderte Umweltbedingungen optimal einzustellen.    

Biofilme kommen überall im menschlichen Körper vor. Wir finden diese Bakteriengemeinschaften auf der Haut, im Mund und natürlich auch im Darm und sprechen von  physiologischer Haut-, Mund- und Darmflora. Auch die Plaque, die sich auf den Zahnoberflächen gebildet hat, besteht aus diesen Biofilmen. Die darin enthaltenen Bestandteile des Speichels, die Bakterien, deren Stoffwechselprodukte und unsere Nahrungsreste sind die zwingende  Voraussetzung für die Entstehung verschiedener Erkrankungen von Zahn und Zahnfleisch. Kurz zusammengefasst: Der  Biofilm auf der Zahnoberfläche kann zum Problem werden, denn er löst eine den Zahnhalteapparat zerstörende Kettenreaktion aus, die mit der Gingivitis ihren Anfang nimmt.

Verlauf von Gingivitis

Häufig bleibt diese Gingivitis zunächst jedoch unbemerkt, weil vielen Betroffenen überhaupt nicht klar ist, wie sich eine Gingivitis bemerkbar macht. Es handelt sich bei der Gingivitis um eine Entzündungserkrankung, und deshalb zeigen sich am Zahnfleisch alle die klassischen Zeichen, die bei jeder Entzündung auftreten: das Zahnfleisch ist deutlich gerötet, wir finden eine Schwellung des Zahnfleisches besonders in den Zahnzwischenräumen und eine auffällige Blutungsneigung bereits bei geringer mechanischer Beanspruchung wird festgestellt: Zähneputzen, Biss in einen Apfel, das alles reicht schon aus, um eine Blutung zu provozieren und den Speichel rötlich zu färben. Jetzt hat die Gingiva ihre ursprüngliche Festigkeit und Strapazierfähigkeit bereits verloren. Natürlich können wir unterschiedliche Schweregrade von leichter bis schwerer Gingivitis unterscheiden.

Heilung von Gingivitis ohne bleibende Schäden

Die Gingivitis führt zu keinem Befestigungsverlust für die Zähne weil der Zahnhalteapparat zunächst noch vollständig erhalten bleibt. Gerade darin liegt auch die große Bedeutung einer frühzeitigen Therapie: die Gingivitis kann nach Beseitigung der auslösenden Reize ohne bleibende Schäden abheilen. Man spricht in der Wissenschaft deshalb heute von einem notwendigen Biofilmmanagement, das zwingend erforderlich ist, um die Gesunderhaltung des Zahnhalteapparates dauerhaft zu garantieren.

Verschiedene Formen der Gingivitis

Es sollte auch erwähnt werden, dass wir verschiedene Formen der Gingivitis voneinander unterscheiden können. Tatsächlich gibt es eine Reihe verschiedener Ursachen die einer Gingivitis zugrunde liegen können und ihren Verlauf ganz maßgeblich beeinflussen:

Da ist zunächst die durch Zahnbelag verursachte sogenannte biofilminduzierte einfache Gingivitis. Sie wird wissenschaftlich als Gingivitis simplex bezeichnet.  Aufgrund vieler Studien zur Mundhygiene müssen wir derzeit annehmen, dass  etwa 80 bis 95 Prozent der Jugendlichen und Erwachsenen von dieser Gingivitis betroffen sind. Da die Erkrankung in der Regel aber keinerlei oder allenfalls sporadisch nur geringe Schmerzen verursacht, wird sie von den Betroffenen selbst nicht wahrgenommen und erst bei einem Zahnarztbesuch erkannt. Die  Gingivitis simplex wird ausschließlich durch bakteriellen Zahnbelag verursacht, der seinerseits durch mangelhafte oder falsche Mundhygiene bedingt ist. Aus diesem Grund spricht man in diesen Fällen von der Schmutzgingivitis und benennt damit ganz unmissverständlich die eigentliche Ursache der Erkrankung. Häufiger Genuss von klebrigen Zuckern wie sie in den so beliebten Schokoriegeln enthalten sind, aber auch Softdrinks, ja sogar das Ketchup zu den Pommes begünstigen diese Belagbildung.

Neben dieser häufigsten Form der Gingivitis, die in vielen Fällen mit Zahnkaries vergesellschaftet ist, kann eine Gingivitis auch hormonell oder medikamentös, seltener genetisch begünstigt sein oder durch systemische Erkrankungen ausgelöst werden: Diabetes mellitus, Leukämie, hormonelle Veränderungen (Menstruationszyklus, Schwangerschaft), orale Kontrazeptiva (Pille) und sogar die aufregende Lebensphase der Pubertät begünstigen die Entstehung einer Gingivitis.  In seltenen Fällen können auch Medikamente die Entstehung einer Gingivitis verursachen. Hier ist jedenfalls der behandelnde Arzt hinzuzuziehen. Es soll schließlich noch darauf hingewiesen werden, dass eine Gingivitis tatsächlich auch Zeichen einseitiger Ernährung oder Mangelernährung sein kann. So verloren die alten Seefahrer aufgrund eines Mangels an Vitamin C durch Skorbut ihre Zähne, was über Jahrhunderte als schicksalhaft angesehen wurde weil die zugrundeliegende Ursache schlichtweg nicht bekannt war.

Wie muss die Therapie der Gingivitis aufgebaut sein?

Zunächst gilt es einmal, die Diagnose einer Gingivitis sicherzustellen. Diese nur auf das Zahnfleisch beschränkte, oberflächlichste Form einer Zahnbetterkrankung muss abgegrenzt werden gegenüber der Parodontitis, bei der auch die tieferen Schichten des Zahnhalteapparates betroffen sind. Der Ausschluss einer Parodontitis kann nur im Rahmen einer umfangreichen zahnärztlichen Befunderhebung erfolgen. Wie oben dargestellt liegt der Schwerpunkt der notwendigen Behandlung im Biofilmmanagement, das heißt in der sorgfältigen Entfernung aller bakterieller Beläge von den Oberflächen der Zähne. Zunächst erfolgt mit Ultraschall-, Pulverstrahlgeräten und Polierbürstchen eine schmerzlose professionelle Zahnreinigung (PZR), in deren Rahmen die Patienten auch mit Information und Motivation für die effiziente Mundhygiene zu Hause versorgt werden. Dieser Information und Motivation kommt die entscheidende Bedeutung zur Sicherung eines langfristigen Behandlungserfolges zu und darf in ihrer Wichtigkeit nicht unterschätzt werden. Der alte Spruch von „dreimal drei Minuten am Tage von rot nach weiß“, den man früher so gerne zur Beschreibung einer guten Zahnpflege benutzt hat, gilt heute als völlig unzureichend. Mit einer derartig einfachen Mundpflege konnte noch niemals eine Gingivitis zur Ausheilung gebracht werden. Es muss daher mit jedem Patienten die für seinen speziellen Fall bestmögliche Zahnputztechnik mit den dazu notwendigen besonderen Hilfsmitteln eingeübt und trainiert werden. In den nächsten drei bis vier Wochen werden sich die Symptome der Gingivitis dann vollständig zurückbilden, wenn es sich nicht um eine durch Arzneimittel oder internistische Erkrankung beeinflusste Form einer Gingivitis handelt. Jedenfalls ist eine abschließende  Kontrolluntersuchung notwendig.

Wie geht es weiter?

Die Gingivitis simplex, die auschliesslich durch bakterielle Biofilme verursacht wird, ist sehr gut zu behandeln. Eine optimale tägliche Zahnpflege muss natürlich gewährleistet sein. Aber diese unabdingbare Voraussetzung reicht in aller Regel für sich alleine nicht aus. Zu viele Ecken und Winkel sind für die Zahnbürste nicht erreichbar, selbst wenn zusätzlich auch Zahnseide und Zwischenraumbürstchen  zum Einsatz kommen. Außerdem werden sich die alten Fehler und Nachlässigkeiten beim Zähneputzen wieder einschleichen: das ist allzu menschlich und kein böser Wille. Aus diesem Grund muss die PZR in regelmäßigen Intervallen durch ausgebildetes Fachpersonal wiederholt werden, denn eine fortbestehende Gingivitis kann jederzeit in eine Parodontitis mit Knochenabbau und Taschenbildung übergehen.

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